Was bringt uns 5G?

Salzburg Research-Forschungsleiter Peter Dorfinger im Interview.

Die Salzburg AG ersteigerte Frequenzen um 4,4 Millionen Euro für Salzburg und die Steiermark: 5G rückt damit für uns in greifbare Nähe. Was verspricht sich der Wissenschaftler davon?

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Herr Dorfinger, Sie leiten den Bereich Intelligent Communication Technologies bei Salzburg Research. Worum geht es da?

Wir beschäftigen uns mit zukünftigen Kommunikationstechnologien. Das heißt, wie werden wir uns in Zukunft vernetzen, wie werden sich die Dinge vernetzen. Unser Fokus liegt dabei natürlich auf Wireless-Technologien wie 5G, das neue Chancen bietet.

Welche Chancen sind damit gemeint?

In der Industrie lässt sich 5G vor allem im Fertigungsprozess einsetzen. Dort werden eigene Netze aufgebaut, um autonome Roboter, an denen keine Kabel angebracht werden können, untereinander zu vernetzen. Beim automatisierten Fahren erlaubt 5G beispielsweise, an Kreuzungen um die Ecke zu schauen. Das heißt, auch wenn weder die Fahrer noch Sensoren einander wahrnehmen, können die Fahrzeuge trotzdem über 5G Informationen austauschen. Damit könnten Kreuzungsbereiche in Zukunft auch mit höheren Geschwindigkeiten sicher passiert werden.

Die Salzburg AG interessiert 5G in erster Linie für die Anbindung unerschlossener Regionen an das Internet. Warum ist 5G da die günstigere Lösung?

5G bietet eine wesentlich höhere Bandbreite zu moderaten Ausbaukosten. Graben ist sehr teuer, vor allem, wenn einzelne Häuser erreicht werden müssen. 5G kann in Zukunft sehr große Flächen abdecken und Breitband in unerschlossene Regionen bringen. Dort wird 5G vor allem dem Internet-User ganz neue Möglichkeiten bieten.

Salzburg ist bereits das am besten mit Breitband versorgte Bundesland in Österreich. Welchen Mehrwert bringt 5G da noch?

Bei 5G geht es nicht nur um Bandbreite, also nicht nur um schnelleres Internet für Mobiltelefon, Tablets oder den Anschluss zuhause. Da geht es vor allem um Anwendungen im Bereich des Internets der Dinge. Für die Industrie muss der Austausch der Informationen sehr schnell erfolgen, damit Maschinen vernetzt werden können.

Was ist mit den gesundheitlichen Risiken und mit der elektromagnetischen Strahlung? Können Sie hier aus Ihrer Sicht Entwarnung geben?

Ich denke schon. 5G muss natürlich die von der WHO empfohlenen und gesetzlich vorgegebenen Grenzwerte einhalten, genauso wie die Vorgängertechnologien. So wie wir heute 4G oder 3G benutzen, werden wir in Zukunft 5G benutzen, ohne dass es Auswirkungen auf uns hat.

Wo liegen Ihre aktuellen Forschungsschwerpunkte in Bezug auf 5G?

Wir beschäftigen uns vor allem mit der Zuverlässigkeit von 5G. Wie können Netze hochzuverlässig sein. Das ist vor allem in kritischen Bereichen wichtig, sei es die Vernetzung der Energienetze, seien es Industrieanlagen oder das automatisierte Fahren. Da ist wirklich ganz entscheidend, dass rund um die Uhr die Daten mit höchster Zuverlässigkeit übermittelt werden. Das ist momentan einer unserer zentralen Forschungsschwerpunkte.

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Peter Dorfinger studierte an der Fachhochschule Salzburg. Seit 2011 leitet er die Abteilung Intelligent Communication Technologies bei Salzburg Research. 14 Forscher arbeiten hier an den Grundlagen für die Digitalisierung und das Internet der Dinge. Der verheiratete Vater zweier Kinder ist 40 Jahre alt und wohnt in Mondsee.